Sonntag, 5. September 2010
Roald Dahls Schokoladenfabrik
Von meiner Wohnung aus kann ich direkt auf der anderen Seite der Bucht eine in Wolkennebel gehüllte Fabrik sehen. Mit ein wenig Fantasie (oder Halluzinationssbegabung) kann man sich einreden, dass es eigentlich eine riesige alte Burg ist. Das wäre in einer Stadt, in der Denkmalschutz so exotisch ist wie ein freilaufender Löwe in Deutschland allerdings nicht sehr wahrscheinlich. In den ersten Wochen meines Aufenthaltes lernte ich bei einem Ausflug einige Polen kennen, die mir erzählten, dass sie in einer Betonfabrik arbeiten und dabei auf das von mir als Burg bezeichnete Gebäude zeigten. Ich war enttäuscht. Beim Blick aus dem Fenster, erkannte ich den Wolkennebel auf einmal als dreckigen Rauch. Versöhnt hat mich erst wesentlich später eine in Dar gern erzählte Geschichte, die beweist, dass ich nicht die einzige bin, die sich die Betonfabrik schöngeredet hat. Roald Dahl, der im englischsprachigen Raum bekannte Autor diverser Kinderbücher, lebte ebenfalls eine Weile in Dar es Salaam (das ist seeehr lange her). Die Fabrik hat anscheinend seine Fantasie beflügelt und nahm in seinen Gedanken die Form einer Schokoladenfabrik an. Mit sehr regem und interessantem Innenleben. Die Inspiration für sein Buch "Charlie und die Schokoladenfabrik". Später grandios verfilmt mit Johnny Depp in der Rolle des Fabrikdirektors.
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Mittwoch, 21. Juli 2010
Mein Auto ist ein Vitz
Wie ein kleines Go-Kart flitzt der Vitz (in Deutschland wohl besser als Toyota Jaris bekannt) durch die Stadt, parkt problemlos auch in der kleinsten und engsten Parklücke, manövriert insgesamt recht formidabel. Eine funktionierende Klimaanlage und Unmengen an Fächern sind auch nicht zu verachten. Ich bin begeistert. Auch wenn ich nicht weiß, was er 10 Jahre lang in Japan getrieben hat, bevor er nach Dar verschifft wurde.
Neulich war er schwimmen in einer sehr tiefen Pfütze. Ein wenig Schlamm hat er geschluckt aber ansonsten bravurös bestanden. Ganz ohne Allradantrieb, dafür inklusive Herzrasen und Schweißausbruch meinerseits.
Der Vorbesitzer hat sich sehr viel Mühe gegeben, den kleinen Japaner Tansania-tauglich zu machen. Das geht so:
- Auto-Kennzeichen in sämtliche Fenster und Außenspiegel eingravieren lassen
- Felgen mit Sicherheitsband festschnallen
- Karosserie höherlegen lassen
- Fahrzeugschein laminieren
- Feuerlöscher und 2 Warndreiecke verstauen
- Sandelholzraumspray und Ganesh-Figur verstauen (optional)
Freitag, 9. Juli 2010
Liebster Verlobter
Du kannst nicht nach Berlin fliegen und die Ohropax mitnehmen. Wirklich, das kannst du nicht machen. Die Nachbarskinder haben jetzt eine Vuvuzela und ich habe Angst vor der KAKERLAKE IM OHR.
Dienstag, 22. Juni 2010
Tansania und die WM
Für Fussball Bewegt ist der folgende Beitrag entstanden. Täglich werden dort Beiträge über die Wahrnehmung der WM in verschiedenen Ländern der Welt veröffentlicht.
Selbst bei größter Hitze verbringen so manche Tansanier ihre Freizeit gerne auf dem Fußballfeld. Jede halbwegs freie Fläche, ob Strand oder Lehmboden, kann dabei als Fußballfeld dienen. Der Erfindungsreichtum hört bei der Wahl des Feldes nicht auf. Auch das Zubehör ist meist aufs kreativste zusammengebastelt. Da wird aus ein paar alten Seilen und Ästen ein Tor gebaut, ein Volleyball, Basketball oder beliebiger runder Gegenstand zum Fußball umfunktioniert und schon kann es losgehen.
Bei solcherlei Begeisterung für den Sport, ist es nicht verwunderlich, dass hierzulande die WM rege mitverfolgt wird. Wer keinen eigenen Fernseher hat oder kein Pay-TV-Abo kaufen konnte, begibt sich zu einer der zahlreichen Open Air-Kneipen. Diese bestehen meist aus einem umgebauten Schiffscontainer mit vielen bunten Plastikstühlen davor. Die größeren haben extra zur WM eine Leinwand aufgebaut, die kleineren einen Mini-Fernseher aufgestellt. Abends nach der Arbeit trifft man sich dort. Man schaut die Spiele gerne gemeinsam und verspeist dabei das populäre Nyama Choma. Das ist gegrilltes Rind- oder Ziegenfleisch, gerne vom Kopf des Tieres entnommen. Als Beilage wird Reis, Chipsi (Pommes Frites) oder Ugali (Gries in Wasser gekocht) serviert. Und die Getränke? Bevorzugt greift der Tansanier zum Bier, wobei die Qualitätsmarken Serengeti, Kilimanjaro und Safari zumindest in der Stadt die lokalen Gebräue (z.B.Bananenbier) verdrängt haben.
Tückisch für manchen nicht-Tansanier sind die Zeitangaben: Es gibt hier eine eigene Swahili-Zeitrechnung, wobei die Swahili-Zeit der „westlichen“ um sechs Stunden hinterher hinkt. Man muss dementsprechend aufpassen, dass man die Spiele nicht verpasst. Eine weitere Tücke ist, dass der Strom hier sehr gerne und oft ausfällt, was dem Fußballschauen ein jähes Ende bereitet, sofern man sich nicht in einem Luxushotel oder Restaurant mit Generator befindet.
Da man die eigene Mannschaft nun leider nicht anfeuern kann, üben sich die Tansanier in internationaler Solidarität. Bevorzugt mit den afrikanischen Mannschaften; in geringerem Maße mit der englischen, da die Premier League hierzulande sehr intensiv übertragen wird; manche auch mit dem Team aus Brasilien, das kurz vor dem WM freundlicherweise hier in Dar es Salaam gastierte (die tansanische Mannschaft wird von einem Brasilianer trainiert) und sich mit einem 5-1 zufrieden gegeben hat. Von den Deutschen kennt man allenfalls Ballack, Kahn (leider beide nicht dabei), Klose und Schweinsteiger.
Beim Torjubel kann sich der Tansanier in Sachen Ekstase nicht mit anderen Völkern messen. Anstatt ausufernder Freudentänze wird meistens nur zufrieden gebrummt. Umgekehrt halten sich Trauer und Schmerz auch beim Scheitern in Grenzen. Die Tansanier sind eben Härteres im Leben gewohnt…
Sonntag, 20. Juni 2010
Gespräche mit Fremden: Polizeikontrolle
Nachmittags an der Kreuzung vor dem Büro:
Ein Polizist tritt mitten auf eine dreispurige stark befahrene Straße, um mich herauszuwinken. Ich muss anhalten.
Polizist: "Sie sind bei rot über die Kreuzung gefahren. Das ist ein schwerwiegendes Vergehen."
Ich, unsicher: "Oh, ich habe nicht bemerkt, dass die Ampel schon rot war. Hinter mir sind noch zwei Autos über die Kreuzung gefahren. Tut mir leid."
Polizist, streng: "Es war aber schon rot. Das ist ein schwerwiegendes Vergehen."
Ich, ängstlich: "Ok. wie gesagt, es tut mir leid."
Polizist: "Was machen wir jetzt?"
Ich schaue ihn fragend an. Soll ich ihm jetzt eine Strafe vorschlagen?!
Ich: "ich weiss nicht. Es tut mir wirklich SEHR leid."
Polizist: "Sie müssen mit aufs Revier." Rüttelt dabei an meiner verschlossenen Autotür herum.
Ich, mache keinerlei Anstalten die Tür zu öffnen: "Wenn es sein muss... Wo muss ich hinfahren"
Polizist: "Lassen sie mich einsteigen, ich zeige ihnen dann den Weg."
Ich, langsam verzweifelt: "Nein, ich kann Sie nicht einsteigen lassen. Sagen sie mir, wo ich hinmuss und wir treffen uns dort."
Polizist: "Wir müssen zusammen aufs Revier fahren, warum machen sie die Tür nicht auf?"
Ich: "Nein, das ist zu gefährlich. Ich nehme grundsätzlich niemanden mit."
Polizist fragt wieder mehrmals, wass wir denn jetzt machen sollen. Ich zucke die Schultern.
Polizist verlangt schließlich 20.000 Shillinge Strafe. Ich habe absolut kein Geld dabei und zeige ihm mein leeres Portmonaie.
Polizist: "Dann müssen sie eben doch aufs Revier. Es ist gleich da drüben"
Ich: "Ok, dann fahre ich jetzt dorthin."
Polizist, rüttelt wieder an meiner Tür: "Nehmen sie mich bitte mit. Ich muss jetzt zurück zum Revier."
Ich: "Aus sicherheitsgründen kann ich wirklich niemanden mitnehmen."
Polizist: "Ich verstehe das. Es ist zu gefährlich. Ich schlage eine Lösung vor: Sie dürfen weiterfahren, wenn sie mich zur Tankstelle mitnehmen. OK?"
Die Tankstelle befindet sich 30 Meter weiter. Eigentlich eine halbe Minute Fußweg. Und 10 Sekunden Autofahrt. Ich erwäge meine Möglichkeiten.
Ich: "Na gut, aber dann steigen sie gleich wieder aus."
Polizist steigt freudestrahlend ein und schnallt sich an. Wir fahren los, mir ist etwas mehr als nur mulmig. Nach 30 Metern halte ich an.
"So, da wären wir." sage ich
Polizist freut sich über die kurze Fahrt. Steigt aber nicht aus.
"Danke fürs Mitnehmen! Das war nett."
Ich, wartend: "Bitte. Auf Wiedersehen. Ich muss jetzt weiterfahren... der Stau, wissen sie."
Polizist: "Also, wie wäre es mit einem gemeinsamen Lunch morgen?"
Ich lehne dankend ab und darf schließlich weiterfahren.
Ein Polizist tritt mitten auf eine dreispurige stark befahrene Straße, um mich herauszuwinken. Ich muss anhalten.
Polizist: "Sie sind bei rot über die Kreuzung gefahren. Das ist ein schwerwiegendes Vergehen."
Ich, unsicher: "Oh, ich habe nicht bemerkt, dass die Ampel schon rot war. Hinter mir sind noch zwei Autos über die Kreuzung gefahren. Tut mir leid."
Polizist, streng: "Es war aber schon rot. Das ist ein schwerwiegendes Vergehen."
Ich, ängstlich: "Ok. wie gesagt, es tut mir leid."
Polizist: "Was machen wir jetzt?"
Ich schaue ihn fragend an. Soll ich ihm jetzt eine Strafe vorschlagen?!
Ich: "ich weiss nicht. Es tut mir wirklich SEHR leid."
Polizist: "Sie müssen mit aufs Revier." Rüttelt dabei an meiner verschlossenen Autotür herum.
Ich, mache keinerlei Anstalten die Tür zu öffnen: "Wenn es sein muss... Wo muss ich hinfahren"
Polizist: "Lassen sie mich einsteigen, ich zeige ihnen dann den Weg."
Ich, langsam verzweifelt: "Nein, ich kann Sie nicht einsteigen lassen. Sagen sie mir, wo ich hinmuss und wir treffen uns dort."
Polizist: "Wir müssen zusammen aufs Revier fahren, warum machen sie die Tür nicht auf?"
Ich: "Nein, das ist zu gefährlich. Ich nehme grundsätzlich niemanden mit."
Polizist fragt wieder mehrmals, wass wir denn jetzt machen sollen. Ich zucke die Schultern.
Polizist verlangt schließlich 20.000 Shillinge Strafe. Ich habe absolut kein Geld dabei und zeige ihm mein leeres Portmonaie.
Polizist: "Dann müssen sie eben doch aufs Revier. Es ist gleich da drüben"
Ich: "Ok, dann fahre ich jetzt dorthin."
Polizist, rüttelt wieder an meiner Tür: "Nehmen sie mich bitte mit. Ich muss jetzt zurück zum Revier."
Ich: "Aus sicherheitsgründen kann ich wirklich niemanden mitnehmen."
Polizist: "Ich verstehe das. Es ist zu gefährlich. Ich schlage eine Lösung vor: Sie dürfen weiterfahren, wenn sie mich zur Tankstelle mitnehmen. OK?"
Die Tankstelle befindet sich 30 Meter weiter. Eigentlich eine halbe Minute Fußweg. Und 10 Sekunden Autofahrt. Ich erwäge meine Möglichkeiten.
Ich: "Na gut, aber dann steigen sie gleich wieder aus."
Polizist steigt freudestrahlend ein und schnallt sich an. Wir fahren los, mir ist etwas mehr als nur mulmig. Nach 30 Metern halte ich an.
"So, da wären wir." sage ich
Polizist freut sich über die kurze Fahrt. Steigt aber nicht aus.
"Danke fürs Mitnehmen! Das war nett."
Ich, wartend: "Bitte. Auf Wiedersehen. Ich muss jetzt weiterfahren... der Stau, wissen sie."
Polizist: "Also, wie wäre es mit einem gemeinsamen Lunch morgen?"
Ich lehne dankend ab und darf schließlich weiterfahren.
Abendliche Kreuzfahrt auf dem Indischen Ozean
Mit großer Vorfreude gingen wir an Bord des wunderschönen Segelschiffes. Die tansanische Telekommunikationsfirma Zantel lud zu einer "Sunset Cruise" ein. Mit DJ, Seafood-Buffet und abendlichem Schwimmen im Ozean. Geschwommen sind nur die ganz Mutigen, die sich getraut haben vom Schiff ins Wasser zu springen. Ins halbdunkle Wasser. Die Höhe entsprach etwa einem Zehn-Meter-Brett.
Den übrigen Teilnehmern blieb nichts anderes übrig, als die geniale Atmosphäre an Bord zu genießen und sich ein wenig wie einer der Darsteller in einer bestimmten Bierwerbung zu fühlen. Ich muss unbedingt nochmal segeln gehen. Oder erst mal segeln lernen.
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Kleine Friedhofslöwen
Manchmal lohnt es sich ganz früh aufzustehen. Auch am Sonntag. Es bot sich dieser seltsame Anblick. Eine Katzenfamilie hatte es sich in einem der Graeber vor unserem Haus gemuetlich gemacht. Neues Leben und Tod waren auf diese kuriose weise kurz vereint.
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